IP|Rezension: Wolf Lotter (Hrsg.), Die kreative Revolution
Mittwoch, 29. April 2009
“Was kommt nach dem Industriekapitalismus?”, so lautet der Untertitel des Buches von Wolf Lotter, einem Autoren, dem man zu dem Thema Creative Economy viel zutraut. Das Buch wurde im umtriebigen Murmann-Verlag veröffentlicht, der schon mit einigen spannenden Titeln glänzen konnte, etwa dem letzten Buch von Miriam Meckel. So waren wir auch gespannt auf dieses Werk, in dem Lotter Autoren wie Dieter Gorny oder Matthias Horx versammelt hat, um über den Weg in die neue Wissensgesellschaft zu schreiben – jeder dieser Aufsätze stets versehen mit einigen einleitenden Worten Lotters.
Ein stimmiges Konzept und das Buch ist auch ganz ausgesprochen schön geworden. Das betrifft primär leider nur den hübschen Einband. Der Inhalt hingegen hat uns leider etwas enttäuscht. Über das Konzept Creative Economy wird in diesem Buch viel gesprochen, alle Autoren sind sich darüber einig, dass der Wandel von Industriegesellschaft zu Wissensgesellschaft bzw. Kulturgesellschaft in vollem Gange ist. Über diese leicht binsenweisheitartige Feststellung hinaus konnte uns das Buch allerdings nicht allzuviel Neues vermitteln. Phrasen wie
“Die Kreativwirtschaft verändert die Art und Weise, wie wir wirtschaften, unsere Entscheidungen für und gegen Investitionen treffen und auch wie wir leben und arbeiten werden”
sind leider Legion. An spannenden Konzepten für die Zukunft hingegen ist das Buch leider arm. (weiterlesen…)
Heute möchten wir gern auf dieses Buch von Rufus Pichler aufmerksam machen. Es handelt es sich hierbei um eine immerhin 786 Seiten starke Dissertationsveröffentlichung, daher dürfte klar sein, dass die Stärken dieses Buches kaum in seiner praktischen Handhabbarkeit liegen. Das Thema jedoch ist wirklich hochaktuell und daher möchten wir die Aufmerksamkeit unserer Leser dennoch auf das Buch Pichlers lenken. Hierbei ist der Titel recht selbsterklärend. Pichler erklärt die Grundlagen internationaler Zuständigkeit und vergleicht diese mit den Charakteristika globaler Netzwerke, namentlich des Internets. Die Ergebnisse fließen dann in eine Stellungnahme zu den Konsequenzen für EuGVVO und autonomem deutschen Recht ein. In einem sachlich hiervon durchaus getrennt lesbaren Teil beschäftigt sich der Autor mit der Theorie des „Cyberspace as a place“. Hier geht es um Theorien, die alternative, quasi-unabhängige Regelungsmodelle für den Cyberspace vorschlagen. Ein interessanter und den meisten Juristen wohl völlig unbekannter Ansatz, der allerdings insbesondere in den USA durchaus lebendig diskutiert wird. Für den Anwalt dürfte das Buch also nicht unbedingte Tauglichkeit haben, Leser, die sich für IT/IP-Policy-Fragen interessieren, sollten allerdings einen Blick riskieren.