Burda v. Stil in Berlin

3896998599_d25cff532b_oBei den Kollegen von den Fashion- und Designblogs herrscht zurzeit große Aufregung. Bloggerin Mary musste erfahren, dass neun Fotos (die übrigens unter einer CC-BY-NC-ND-Lizenz standen) ihres Blogs Stil in Berlin von einer Zeitschrift des Burda-Verlags benutzt wurden, ohne Lizenzzahlungen, ohne Namensnennung.

Nach einigen Verhandlungen wurde man sich anlässlich der nun bestehenden Forderung nicht handelseinig, so dass die Sache vor Gericht ging, was Mary vor einigen Tagen in ihrem Blog öffenlich machte.

Interessant ist die Welle der Empörung und die leidenschaftlichen Diskussionen, die dies in den Kommentaren ausgelöst hat.

Natürlich kann und sollte es verwundern, dass einem Konzern wie Burda so etwas passieren kann. Fotos werden schließlich nicht „aus Versehen“ von einer Website kopiert. Die Häme, die Burda von den Kommentaren diesbezüglich entgegenschlägt, ist angesichts der Äußerungen Hubert Burdas selbst kaum verwunderlich. Dass der Schnitzer natürlich nicht Burda selbst angelastet werden kann, ist klar. Dass allerdings ein Konzern wie Burda offenbar nicht in der Lage ist, selbst Bilder wie jene der Bloggerin Mary zu produzieren oder sich zu beschaffen, das ist wohl das eigentliche Problem für das Haus. Sollte nicht ein Konzern, der einen gewissen Schwerpunkt in der Fashion-Berichterstattung hat, in der Lage sein, das Ohr/Auge ebenso an der Straße zu haben wie Mary selbst? Offenbar nicht – und vielleicht sind die Verlage auch nie in dieser Lage gewesen. Es ist nur heute viel offensichtlicher als damals, in grauer Vorzeit vor dem Mitmachinternet, als die Alternativen nicht bekannt waren.

Ein zweiter Punkt, der an dieser kleinen Geschichte interessant ist: Einer der vielen Kommentatoren hat den Advocatus Diaboli gespielt und drohend darauf hingewiesen, dass sich die Bloggerin ins eigene Fleisch schneide, sich mit Burda zu streiten und das auch noch öffentlich zu machen, sie ahne ja nicht, wie sehr sie es sich mit den großen Konzernen verscherze. Ein Punkt, über den Mary sicherlich nachgedacht haben wird. Die Tatsache, dass sie es trotzdem tut, hat wahrscheinlich weniger mit eigener Überzeugung für die Sache zu tun, als mit der simplen Tatsache, dass sie glaubt, einen Konzern wie Burda nicht zu brauchen. Die neue Wirtschaft, die im Netz heranwächst, ist auf die alten Konzernbetriebe und ihre Strukturen nicht zwingend angewiesen. Umgekehrt scheint dies nicht der Fall zu sein. Das dürfte die eigentliche Lehre aus dieser Geschichte sein.

(cen)

Das Foto von Mary Scherpe steht unter einer CC-BY-NC-ND-Lizenz.

 
Post2PDF

2 Kommentare zu “Burda v. Stil in Berlin”

  1. model_de
    26. September 2009 22:52
    1

    ongelooflijk en waar:)

  2. IP|Notiz - Update zu stilinberlin v. Burda
    14. Oktober 2009 13:43
    2

    […] hatten von der Klage der Bloggerin Mary gegen den Burda Verlag berichtet – hier der Link zur Geschichte. Jetzt hat die Sache ein gutes Ende für beide Seiten genommen: es ist auf einen Vergleich […]

Kommentar abgeben: