Archiv für die Kategorie 'Markenrecht'

Fundstück des Tages: tavaramerkkilaki

Donnerstag, 19. Mai 2016

…falls Sie schon immer mal wissen wollten, was MarkenG auf finnisch heißt.

IP|Rezension: Fezer, Handbuch der Markenpraxis

Montag, 8. Februar 2016

41qXvH4rTiL._SX328_BO1,204,203,200_Auch wenn es sich bei dem aktuellen „Handbuch der Markenpraxis“ schon um die 3. Auflage handelt: Mir war der Titel bislang unbekannt. Damit habe ich offenbar einiges verpasst.

Schon oft sind Bücher mit dem Ziel angetreten, einen „one-stop-shop“ für ein Rechtsgebiet anzubieten. Die Ergebnisse überzeugen meist nicht. Das Recht ist zu vielseitig und zu komplex, um zwischen zwei Buchdeckel gepresst zu werden. Dieser Einwand gilt natürlich in besonderem Maß für das Markenrecht, das so verschiedene Themen wie deutsche, europäische und internationale Markenverwaltung, Verletzungsverfahrensrecht, Domainrecht etc. in sich vereint.

Dem „Handbuch der Markenpraxis“ gelingt dieses Ziel aber überraschend gut. Das liegt daran, dass jedes Thema ernst genommen wird. Nirgendwo macht sich das Gefühl breit, dass hier der kürzende Rotstift angesetzt wurde. Vielmehr werden überall geduldig die Basics ebenso erläutert wie die weiterführenden Fragen. Der Praxis-Aspekt wird dabei tatsächlich gelebt: Formulare werden abgedruckt, Beispiele genannt, es gibt „Butter bei die Fische“. Ein Praktiker, der sich bspw. erstmals mit dem Thema Grenzbeschlagnahme beschäftigt, kann diesen Antrag m.E. nach der Lektüre des entsprechenden Abschnitts tatsächlich stellen. Das ist (leider) ein ungewöhnliches Qualitätsmerkmal.

Fazit: Ein absolut gelungenes Werk, das die Bibliothek jedes Praktikers bereichern düfte.

Fezer (Hrsg.), Handbuch der Markenpraxis; 2612 Seiten; C.H.Beck; Auflage: 3 (12. November 2015); ISBN-13: 978-3406672910, 429 EUR

 

Bankgeheimnis gilt nicht absolut

Donnerstag, 16. Juli 2015

Der BGH hat einen Rechtsstreit zwischen der Coty Germany GmbH und der Stadtsparkasse Magdeburg zu entscheiden. Coty Germany begehrt Auskunft über Namen und Anschrift des Inhabers des Bankkontos, das auf einer Internetauktionsplattform genannt war, über die Nachahmungen verkauft wurden. Die Stadtsparkasse weigerte sich unter Berufung auf das Bankgeheimnis (§ 19 Abs. 2 Satz 1 Markengesetz i.V.m. § 383 Abs. 1 ZPO), diese Auskünfte zu erteilen.

Das Ergebnis des EuGH:

Art. 8 Abs. 3 Buchst. e der Richtlinie 2004/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29.04.2004 zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums ist dahin auszulegen, dass er einer nationalen Rechtsvorschrift wie der im Ausgangsverfahren in Rede stehenden entgegensteht, die es einem Bankinstitut unbegrenzt und bedingungslos gestattet, eine Auskunft nach Art. 8 Abs. 1 Buchst. c dieser Richtlinie über Namen und Anschrift eines Kontoinhabers unter Berufung auf das Bankgeheimnis zu verweigern.

Nach Auffassung des EuGH ist eine solche nationale Rechtsvorschrift isoliert betrachtet geeignet, zu einer qualifizierten Beeinträchtigung des Grundrechts auf einen wirksamen Rechtsbehelf und letztlich des Grundrechts des geistigen Eigentums zu führen, die den Inhabern der Rechte des geistigen Eigentums zustünden. Eine solche Vorschrift genüge damit nicht dem Erfordernis, ein angemessenes Gleichgewicht zwischen den verschiedenen in Art. 8 der Richtlinie 2004/48 gegeneinander abgewogenen Grundrechten zu gewährleisten (nämlich zum einen dem Recht auf einen wirksamen Rechtsbehelf und dem Recht des geistigen Eigentums und zum anderen dem Recht auf den Schutz personenbezogener Daten).

Quelle: Pressemitteilung des EuGH v. 16.07.2015

Plagiarius 2015

Samstag, 14. Februar 2015

1_artikel_1_99

Der Negativ-Preis „Plagiarius“ wird jährlich an Hersteller und Händler besonders dreister Nachahmungen verliehen. Ziel der Aktion Plagiarius e.V. ist es, die unseriösen Geschäftspraktiken von Nachahmern ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Industrie, Politik und Konsumenten für die Problematik zu sensibilisieren. Mittlerweile hat er es zu einiger Bekanntheit gebracht. Die Preisträger des Plagiarius-Wettbewerbs 2015  sind auf der Frankfurter „Ambiente“ im Rahmen einer Pressekonferenz offiziell bekannt gegeben worden.

Im Rahmen der Verleihung stellte der Verein klar, „dass die Auszeichnung mit dem ‚Plagiarius‘ nichts darüber aussagt, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt ist oder nicht, ob sie also rechtmäßig oder rechtswidrig ist. Die Aktion Plagiarius kann kein Recht sprechen. Sie darf aber auf Unrecht betroffener Firmen aufmerksam machen und die Meinung äußern, dass plumpe 1:1 Nachahmungen einfallslos und moralisch verwerflich sind und zu Stillstand führen. Jedes Plagiat hat 2 Seiten – eine juristische und eine moralische!“

 Hier findet sich die Auswahl der Jury.

BGH: zum Schadensersatzanspruch aus § 945 ZPO

Freitag, 13. Februar 2015

Pyrrhus_MAN_Napoli_Inv6150_n01Der Schadensersatzanspruch aus § 945 ZPO ist das Damoklesschwert des IP-Rechtlers. Der Erfolg eines Verfügungsverfahrens kann sich so in einen Pyrrhussieg verwandeln. Eine solche griechische – oder vielmehr römische – Tragödie spielte sich um den Verkauf der Jeans „Nero“ ab. Der BGH nahm dies in BGH Urteil v. 10.07.2014 – I ZR 249/12 – Nero zum Anlass, einige Worte über die Grenzen des Anspruchs zu verlieren. Zentrales Thema war die Frage, wann ein sog. „Vollstreckungsdruck“ vorliegt, der einen Anspruch nach § 945 ZPO begründet. Das liest sich dann so:

1. Wird eine im Beschlusswege erlassene Verbotsverfügung vor einer förmlichen Parteizustellung formlos der Gegenseite übermittelt, führt dies noch nicht zu einem Vollstreckungsdruck, der die Schadensersatzpflicht nach § 945 ZPO auslösen kann.
Mit der Zustellung der mit Ordnungsmittelandrohung versehenen Unterlassungsverfügung muss der Schuldner damit rechnen, dass der Gläubiger jederzeit von der Vollstreckungsmöglichkeit Gebrauch macht und im Falle einer Zuwiderhandlung gegen die in der Beschlussverfügung ausgesprochene Unterlassungsverpflichtung die Festsetzung von Ordnungsmitteln beantragt.
2. Bei einer solchen Sachlage ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Befolgung einer Unterlassungsverpflichtung der Abwendung von Vollstreckungsmaßnahmen dient und nicht freiwillig erfolgt.

Der Kollege vom ZPO Blog hat das Urteil schön zusammengefasst, so dass ich auf seine Darstellung verweisen kann.

Foto: Marie-Lan Nguyen

Intellectual Asset Management

Montag, 26. Januar 2015

Die Firma Anaqua hat mir ihre Datenbanken vorgestellt. Die dahinter liegende Idee gefällt mir: Im Kern bietet die Firma eine IP-Management-Software, also Aktenführung, Fristenüberwachung etc. Der Mehrwert der Entwicklung ist, dass Business-Kriterien mit von der Verwaltung erfasst werden. Die Bestandteile des unternehmenseigenen IP können identifiziert und ihnen finanzielle Werte zugesprochen werden, Lebenszyklen werden abgebildet u.v.m. Das kann Justiziaren unternehmensintern helfen, den Wert des IP zu kommunizieren und (teure) Schutzmaßnahmen besser durchzusetzen.

Diese genaue Erfassung der „Assets“ kann sich aber auch für strategische Entscheidungen und die Bilanzierung bzw. Due-Diligence-Prüfung auszahlen. Zugleich dürfte genau das in vielen Unternehmen auch ein Umsetzungs-Problem darstellen. Das Einpflegen der IP-Bestände und ggf. die parallele Darstellung in der Bilanz dürfte für viele Mittelständlern eine Herausforderung darstellen. Dennoch denke ich, dass die Reise bei größeren Unternehmen hin zu einer Software dieses Zuschnitts gehen wird. Mehr Infos finden Sie hier.

IP|Webnotizen XIV

Montag, 19. Januar 2015

IP|Experten: Nachträgliche Einschränkung des Warenverzeichnisses (EuGH, Urt. v. 11.12.14, C-31/14 P – Pramino / Premeno)

Mittwoch, 14. Januar 2015

von Dr. Ralf Möller, M.Jur. (Oxford)

Ich freue mich, mit dem heutigen Gastbeitrag des Kollegen Möller zugleich eine neue online-Publikation vorstellen zu dürfen. Auf pharmaundmarke.com werden Möller und seine Kollegen künftig die Entscheidungen des EuGH, EuG, BGH und BPatG aus diesem Bereich auf je einer Druckseite kommentieren. Die Besprechungen werden in jährlichem Turnus auch als Printmagazin veröffentlicht. Ich wünsche den Kollegen gutes Gelingen. Es passiert ja nicht alle Tage, dass ein so hochkarätiges Projekt an den Start geht. Übrigens: Faule Leser (wie ich) können sich auch durch den Newsletter versorgen lassen.

Die Einschränkung des Warenverzeichnisses auf die therapeutische Indikation eines Arzneimittels ist zulässig und bei der Beurteilung der Warenähnlichkeit zu berücksichtigen. Dies gilt auch dann, wenn sie erst nachträglich und mit einer für sich genommenen unerheblichen Einschränkung (hier: fehlende Verschreibungspflicht) verbunden wird. (Leitsatz des Verfassers) (mehr …)

Plagiate hier bestellen

Mittwoch, 26. November 2014

Meissen-, Chanel- und andere Markenprodukte deutlich günstiger als im Laden!

http://www.plagiate-shop.de

Einfach mal reinschauen in den Shop. Es lohnt sich.

 

KG Berlin zur Anwendbarkeit der §§ 193 BGB, § 222 ZPO im Eilverfahren

Montag, 25. August 2014

Das LG Berlin nimmt bekanntlich an, dass im Eilverfahren ein zweimonatiges Zuwarten nicht dringlichkeitsschädlich ist. Im vorliegenden Fall war der letzte Tag dieser zwei-Monats-„Frist“ ein Sonntag. Die Antragstellerin stellt den Verfügungsantrag am Montag. Das missfiel dem LG, das meinte, es handele sich bei dieser zwei-Monats-Regel nicht um eine Frist i.S.d. § 222 ZPO sondern um eine bloße gerichtliche Annahme. Zugleich behandelte es aber die 2-Monats-Regel als starre „Frist“ und stellte auch keine Einzelfallbetrachtung dazu an, ob die Sache von der Antragstellerin eilig behandelt wurde oder nicht. Das KG sah das anders. Es entschied, dass die Antragstellerin sich auf die den § 193 BGB und § 222 Abs. 2 ZPO innewohnenden Rechtsgedanken berufen könne. Die Entscheidung dürfte Auswirkungen auf so manchen Fristenkalender haben:

„Der Zweck dieser Vorschriften, die unter anderem dem Schutz der Ruhe an den allgemein arbeitsfreien Wochenenden und Feiertagen dienen (vgl. Grothe in: Münchener Kommentar, BGB, 6. Aufl., § 193, Rn 2; Ellenberger in: Palandt, BGB, 73. Aufl., § 193, Rn 1; Repgen in: Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2009, § 193, Rn 3), rechtfertigt eine entsprechende Anwendung auf den vorliegenden Fall.“,

KG Berlin, Beschluss vom 01. August 2014 – 5 W 240/14 –, juris