Archiv für die Kategorie 'IP|Rezension'

IP|Rezension: Ferdinand von Schirach, Der Fall Collini

Samstag, 8. Oktober 2011

Überwiegend wird auf diesem Blog Fachliteratur besprochen, von Zeit zu Zeit machen wir aber gerne eine Ausnahme. So auch in diesem Fall bei Ferdinand von Schirachs neuen Buch/ersten Roman, Der Fall Collini. Von Schirach hat mit seinen beiden Kurzgeschichten-Bänden in den letzten Jahren nicht nur groß abgeräumt, sondern auch eine Flut an ähnlicher Literatur hervorgerufen. Wir Juristen sollten dankbar sein, dass das Interesse an unserer Arbeit somit steigt, allerdings gilt das wohl nur für die Strafverteidiger – zudem hat kein anderes Buch die Klasse der Schirach-Bände erreicht.

Von Schirachs Sprache wird in der Kritik besonders hervorgehoben, aber auch die Pointiertheit und Akuratesse, mit der die Geschichten zum menschlichen Kern des Falls vordringen. Auch wenn wir uns einer allzu literarischen Kritik enthalten wollen – nicht unser Fachgebiet -, so scheint dies von Schirach in seinem ersten Roman teilweise ebenfalls zu glücken. Die sprachliche Wucht seiner Erzählungen kann er zwar so nicht auf das längere Format hinüberretten. Dafür gelingt es dem Autoren, eine wunderbare Patina über die Geschichte zu legen, die dem Roman eine ganz besondere Stimmung verleiht.

Wenn das Buch dann in den letzten Akt eintritt, das Gerichtsverfahren und die damit einhergehenden rechtshistorischen Fragen, wird es für die Juristen noch einmal spannend. Das Gesetzt von Dreher war auch uns nicht bekannt. Von Schirach hält auch in der Schilderung dieser Kernfragen seines Buches die verknappte Erzählweise bewundernswert durch, so dass die Geschichte nie zum Seminar verkommt. Für einen Juristen eine ganz außergewöhnliche Leistung.

Fazit: Ein leider kurzer Roman und nicht ganz in der Liga der Vorgänger, aber unbedingt lesenswert. Ideales Buch für eine längere ICE-Fahrt. Im Raucherabteil, 1. Klasse, wenn es das noch gäbe.

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten, Verlag: Piper; Auflage: 2 (September 2011), ISBN-13: 978-3492054751, EUR 16,99

IP|Rezension: B. Sharon Byrd, Einführung in die Anglo-Amerikanische Rechtssprache Bd. I und II

Donnerstag, 2. Juni 2011

Die Autorin des Werkes ist u.s. amerikanische Juristin, die seit einigen Jahren an der Friedrich Schiller Universität in Jena das Law & Language-Programm betreut. Sie hat mit diesem zweibändigen Werk jetzt ein Buch geschaffen, das es auch anderen Studenten, besonders aber auch Praktikern erlaubt, ein ähnliches Programm zu durchlaufen. Das Buch ist also nicht ein Wörterbuch, sondern ein vollumfänglicher Kurs in u.s. amerikanischer Rechtssprache. Hierfür bieten die beiden Bände eine Fülle an Übungen an, wie sie auch in universitären Sprachkursen vorkommen. Es werden also Urteile gelesen und analysiert und die jeweiligen sprachlichen Klippen einzelner Rechtsgebiete so deutlich gemacht. Hierdurch bleibt es allerdings nicht nur bei einem guten Verständnis der Sprache – der Leser gewinnt auch einen Überblick über das angelsächsische Rechtssystem amerikanischer Prägung: Offer & Acceptance, Breach of Duty, Einzelheiten der Products Liability und und und. Wer diesen in Buchform gegossenen Kurs durchlaufen hat, kann amerikanische Texte nicht nur bezüglich des Vokabulars verstehen, sondern wird sich auch bei den Eigenheiten des Rechtssystems zurecht finden, sofern es sich um dessen Grundzüge handelt. Hierfür muss man sich allerdings auch durch insg. ca. 700 Seiten Text arbeiten, was natürlich nicht eben zwischendurch gemacht werden kann. (weiterlesen …)

IP|Rezension: Horst-Peter Götting, Gewerblicher Rechtsschutz

Samstag, 28. Mai 2011

Der neue Götting ist nun schon eine Weile erschienen. Er bleibt ein empfehlenswertes Standardwerk auf dem Gebiet des Gewerblichen Rechtsschutzes, das es wie kaum ein anderes versteht, auch auf spezielle Problematiken und aktuelle Entwicklungen in der Rechtsprechung einzugehen, ohne dabei das Überblickhafte aus den Augen zu verlieren.

Für Schwerpunktstudenten mag es fast etwas lang und ausführlich sein, in diesem Rahmen ist es wohl vor allem für die ambitionierteren empfehlenswert. Wer sich aber langfristig mit dem Thema beschäftigt, sollte das Buch im Regal stehen haben. Ein Alleinstellungsmerkmal ist sicherlich weiterhin, dass das Buch auch ausführlich auf Patent- und Gebrauchsmusterrecht eingeht. Der Bereich wird als “Exot” in manchen Konkurrenzbüchern nicht in dieser Ausführlichkeit besprochen. Auch ein Überblick über das internationale und europäische Patentrecht fehlen nicht und Götting schafft es sogar, noch einen eigenen Vorschlag für ein EU-Patentsystem unterzubringen, was ambitioniert ist für ein “Kurzlehrbuch”. Umso spannender dürfte es sein, zu erfahren, wie Götting auf die neuesten Entwicklungen reagieren wird.

Horst-Peter Götting, Gewerblicher Rechtsschutz, 9. Auflage 2010, EUR 28,00, ISBN 978-3-406-59414-4, C.H. Beck Verlag.

 

IP|Rezension: Nochmals zu Nirk

Samstag, 8. Januar 2011

In unserer letzten Besprechung zu Nirk, Geschmacksmusterrecht, Urheberrecht, Designlaw, müssen wir doch noch ein Postskriptum hinzufügen. Das Buch ist für den stolzen Preis (knapp 25,00 Euro für die paar Seiten) mit einer enttäuschenden Papierqualität gesegnet. Knicke oder Risse schleichen sich schnell ein. Es sollte auch hinzugefügt werden, dass wir auch vom Inhalt nicht absolut überzeugt sind. Für den Preis lässt sich besseres finden. Außer! es handelt sich, wie schon in der Rezension bemerkt, um Studenten, denen es wirklich um Designrecht geht, hierfür ist das Buch vielleicht lohnenswert.

IP|Rezension: Peter Raue; Jan Hegemann (Hrsg.), Münchener Anwalts Handbuch Urheber- und Medienrecht

Samstag, 8. Januar 2011

Das neue Müncher Anwalts Handbuch Urheber- und Medienrecht ist ein gutes, lohnendes Buch: Das kann so gesagt werden. In einem verlegerischen Umfeld, wo es kaum noch Lücken gibt, die im Bereich der juristischen Literatur noch zu füllen wären, ist dieses Buch eines, das man wirklich zur Anschaffung empfehlen kann.

Die Themen sind, dem Titel entsprechend, weit gefächert – von Musikverlagsrecht über Medienkartellrecht bis hin zum Markenschutz sind viele Themen vertreten, die in der anwaltlichen oder Justiziarspraxis so auftauchen können, wenn es um die Beratung von Medienunternehmen geht. Dass ein solches Buch nie völlig vollständig sein kann, ist klar. Die wichtigen Themen sind allerdings enthalten – die langjährige Berufserfahrung von Peter Raue und Jan Hegemann zahlt sich hier sicher aus – und sind in ausreichender Breite geschildert. Besonders gefällt dabei die stete Konzentration auf die Praxis. Kaum ein Beitrag, der zu sehr ins Wissenschaftliche, wenig Anwendbare abdriftet. Hier hat sich die Auswahl der Bearbeiter, die sich großenteils aus Rechtsanwälten zusammensetzt, bezahlt gemacht. Gut gefallen auch die zahlreichen Praxistipps und insbesondere die Vorlagen, die manchem jungen Anwalt sicher sehr zupass kommen werden.

Die Buchqualität selbst ist außerordentlich befriedigend. Ein schönes Druckbild, hohe Qualität der Seiten, insgesamt macht das Buch einen hochwertigen Eindruck.

Man kann dem Buch also ein großes Lob aussprechen. Eine Anmerkung sei allerdings gestattet: Dass das Buch in großen Teilen durch die Anwälte einer einzigen Kanzlei erstellt wurde, mag praktisch sein, lässt unserer Meinung nach aber doch die Frage offen: Haben die Herausgeber sich hier wirklich um die absolut besten Autoren bemüht? Oder die Arbeit doch aus Gründen der Machbarkeit einfach im eigenen Hause behalten? Die erreichte Qualität gibt dem Buch Recht. Dennoch sollte ein Herausgeber unserer Meinung nach darauf achten, dass solche Fragen gar nicht erst aufkommen.

Peter Raue, Jan Hegemann (Hrsg.), Münchener Anwalts Handbuch Urheber- und Medienrecht, Verlag C.H. Beck, 1. Auflage München 2011, EUR 148,00, ISBN 978-3-406-60450-8

IP|Rezension: Walter Zimmermann, ZPO-Fallrepetitorium

Dienstag, 7. Dezember 2010

Eigentlich passt das Buch nicht ganz in unser Spektrum, könnte man denken, ist doch die ZPO nicht unbedingt “grün”. Allerdings wird auch umgekeht ein Schuh daraus: ohne solide ZPO-Kenntnisse ist natürlich alles nichts.Insofern lohnt es sich, hier ein wenig Wissen zu vertiefen. Das ZPO-Fallrepetitorium von Zimmermann ist dafür gut geeignet. Sowohl für Studenten als auch für Referendare, denn dank eines abgestuften Schwierigkeitssystems kann sich jeder das passende heraussuchen – aus wohlgemerkt ca. 600 Fällen! Danach, denken wir, ist man doch recht gut vorbereitet auf die ZPO-Probleme, die da kommen mögen. Man muss nicht einmal alle durchlesen, denn manche gehen schon sehr ins Abseitige. So oder so, Kaufempfehlung wegen hohen Praxisfaktors!

Walter Zimmermann, ZPO-Fallrepetitiorium, C.F.Müller Verlag, 447 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3-8114-3471-5

Wolfgang Berlit, Markenrecht

Montag, 20. September 2010

Wolfgang Berlit legt die nunmehr 8. Auflage seines Standard-Lehrbuchs zum Markenrecht vor. Das Buch selbst macht einen hervorragenden Eindruck, die Bindung ist hochwertig, das Druckbild ist ebenfalls gut. Die Entscheidung, das Buch ohne Fußnoten auskommen zu lassen ist hingegen gewöhnungsbedürftig. Zwar wird der Leser durch eine vorbildliche Entscheidungssammlung am Ende des Buches getröstet. Dennoch geht natürlich eine ganze Sub-Ebene an Ergänzungen verloren. Das Buch ist dadurch natürlich schneller lesbar. Und das ist wohl auch Sinn der Reihe „Praxis des Gewerblichen Rechtsschutzes und Urheberrechts”, in welcher dieses Buch erscheint. Der Autor selbst, der ja ebenfalls aus der Praxis kommt, verzichtet denn auch auf akademische Glasperlenspielerei zugunsten klarer Ansagen, die sich primär an höchstrichterlichen Entscheidungen orientieren. Das klappt im Markenrecht auch besonders gut.

Unser Gefühl ist stets gewesen, dass sich das Rechtsgebiet sehr gut an den Entscheidungen der Gerichte erschließen lässt. Insofern ist dieser Ansatz auch problemlos durchführbar. Im Buch ist freilich eine starke Orientierung hin zu den europäischen Entscheidungen zu erkennen, was der Dogmatik dieses Rechtssystems durchaus entspricht. Umso erfreulicher, dass auch die “Gemeinschaftsmarke” mittlerweile umfangreiche Berücksichtigung im Buch findet Unserem Geschmack gemäß hätte auch das Kapitel „Markenübertragung und Lizenz” (das es immerhin lobenswerter Weise gibt) einige Seiten mehr vertragen können. Insgesamt ist das Buch aber gehörig gewachsen, von etwa 460 Seiten der Vorauflage auf nunmehr 500. (weiterlesen …)

IP|Rezension: Matthias Pierson; Thomas Ahrens; Karsten Fischer, Recht des geistigen Eigentums

Dienstag, 31. August 2010

Im “Recht des geistigen Eigentums” finden wir eine Gesamtdarstellung des IP-Law, inklusive des Rechtsbereichs Urheberrecht. Es handelt sich um die zweite Auflage, EPÜ 2000, UWG-Reform 2004, GeschmacksmusterG, Durchsetzungsgesetz sowie die beiden “Körbe” des UrhG sind enthalten.

Das Buch ist gut geschrieben, mit interessanten Abbildungen versehen (zu wenige! Siehe nur die schöne Grafik zum Thema “Benutzungsschonfrist und Zeiträume der rechtserhaltenden Benutzun auf S. 222) und beschränkt sich im Wesentlichen auf die Wiedergabe und Zusammenfassung des bekannten Wissens. Es ist insofern kein “großes” Lehrbuch, das rechtsfortbildend oder meinungslastig wirkt, sondern eher ein Werk, das jeder Student ruhigen Gewissens lesen kann, ohne Sorgen haben zu müssen, zu sehr in Mindermeinungsfallen zu tappen.

Das Buch richtet sich nicht ausschließlich an Juristen. Insofern sind besonders die Darstellungen der technischen Schutzrechte gelungen und ausführlich. Einziger Kritikpunkt könnte die Ausführlichkeit des Buches sein: mit knapp 480 Seiten ist es schon ein ziemlicher Brummer, der viele Studenten abschrecken könnte. Insgesamt aber eine sehr solide Arbeit, die aber überraschend wenig verbreitet ist.

IP|Rezension: Ansgar Oly, Fälle zum Recht des geistigen Eigentums

Freitag, 27. August 2010

Ansgar Oly präsentiert mit diesem Fallbuch eine völlige Neuerscheinung im Rahmen der Reihe „Juristische Fall-Lösungen“ bei C.H. Beck. Sämtliche wichtigen Fächer des Gewerbl. Rechtsschutzes sind vertreten, wobei Urheberrecht und Markenrecht den größten Teil einnehmen. Etwas weniger präsent ist das Patentrecht, dem aber immerhin vier Fälle gewidmet sind (Formsteineinwand, Pantentvindikation, Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen etc.). Ein Fall ist dem Deisgnrecht gewidmet, den Abschluss bildet ein „Klausurfall“, der es in sich hat.

Die Fälle sind allesamt nicht sonderlich lang gehalten (bis auf den Klausurfall) und zeichnen sich durch eine starke Konzentration auf die Gliederung aus. Dadurch wird dieser wichtige Aspekt ansprechend betont – Studenten werden die vielen Schemata zu schätzen wissen. Die Fälle sind in der Regel bekannten Urteilen nachgebildet (etwa Libertel im Markenrecht), so dass die wichtigen Probleme der Rechtsbereiche gut abgedeckt werden.

Letztlich lässt sich sagen, dass „Fälle zum Recht des geistigen Eigentums“ das Rad nicht neu erfindet, aber eine absolut sichere Empfehlung für Studenten der entsprechenden Schwerpunktfächer darstellen dürfte. Nach der Lektüre dieses Buches sollte da nicht mehr viel schiefgehen.

Ansgar Oly, Fälle zum Recht des geistigen Eigentums, 177 Seiten, 24,95 EUR, C.H. Beck, ISBN: 978-3406586408

IP|Rezension: Martin Gläser, Medienmanagement

Dienstag, 24. August 2010

Der Stuttgarter Professor Martin Gläser legt mit “Medienmanagement” die zweite Auflage dieses Handbuchs zum treffend betitelten Thema vor. Das Buch versteht sich als Nachschlagewerk, aber auch als betriebswirtschaftliches Lehrbuch. Als letzteres ist es für uns Juristen wohl zumeist unbrauchtbar. Viel Zeit würde es kosten, sich das wirkliche betriebswirtschaftliche Verständnis der Medienindustrie zu erarbeiten. Wer diese investiert: großartig. Für die übrigen dürfte jedoch Teil B des Buches besonders interessant sein: hier werden “Medienunternehmen als Gegenstand” besprochen. Insbesondere Teil II und III (merkwürdigerweise fängt Teil B mit röm. II an) , “Medienunternehmen und ihr Umfeld” und “Leistungs- und Finanzprozesse” dürften für Juristen, die Medienunternehmen beraten, recht interessant sein: Übersichten über Medienmärkte, Produkte, Rahmenbedingungen und vieles mehr geben einen guten Einstieg in das wirtschaftliche Umfeld, das Juristen in der Ausbildung ja leider nicht vermittelt wird – diese Kenntnisse werden aber erwartet, ist man einmal in das Fahrwasser der Realwirtschaft gekommen.

Zuletzt ist auch Teil C potentiell interessant: hier geht es um die Führung des Unternehmens, das Management. Für Juristen in Führungspositionen von Medienunternehmen – etwa das einköpfige Justiziariat, das ja gern dem Bereich der Geschäftsführung zugeordnet wird – bietet sich hier ein guter Crash-Kurs in den wichtigsten Themen, von Unternehmensethik bis zu Unternehmensverfassung, alles Themen, die auch für Juristen relevant werden können.

Gefällig sind übrigens auch die vielen Schaubilder. Bei juristischer Lektüre nicht unbedingt üblich, ist dies im BWL-Bereich Gang und Gäbe, da könnten sich einige Jura-Professoren eine Scheibe abschneiden. Auch mit weiterführender Lektüre wird nicht gespart.