Horst-Peter Götting, Axel Nordemann, UWG-Handkommentar sowie Karl-Heinz Fezer, Lauterkeitsrecht

Zwei wichtige Wortmeldungen auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechs sind in letzter Zeit erschienen: Zum einen der „Götting/Nordemann“, zum anderen der „Fezer“. Um beide Kommentare wird man in Zukunft kaum herumkommen.

Der Handkommentar von Götting/Nordemann zeichnet sich natürlich im Vergleich zum Fezer durch Kompaktheit aus: etwa 1.500 Seiten lassen ihn als geeignetes Werkzeug für Studenten oder auch auf dem Schreibtisch des Anwalts erscheinen. Damit ist er allerdings ausführlicher als das Standardwerk Piper/Ohly/Sosnitza, das mit etwa 1.200 Seiten auskommt. Zudem verzichtet der Götting/Nordemann auf das dünne Papier, so dass man es doch mit einem schwergewichtigen Buch zu tun hat.

Die Autorenriege des Götting/Nordemann setzt sich im Wesentlichen aus zwei Teilen zusammen. Da wäre zunächst die „Dresdner“ Autorenriege Götting, Albert, Kaiser, SchwippsTrepper, Wündisch, zum anderen die Fraktion von Boehmert & Boehmert, Nordemann, Schmitz-Fohrmann, Schwab, Wirtz – alles Spezialisten, es darf allerdings doch die grundsätzliche Frage gestellt werden, ob nicht diese gemeinschaftliche Produktionsweise in einem Kommentar wie diesem rechtspolitisch Fragen aufwirft? Es mag zwar übliche Praxis sein, dennoch kommt es uns doch etwas überraschen vor, dass letztlich (fast) ein Gericht und eine Kanzlei für den gesamten Kommentar verantwortlich zeichnen.

Der Kommentar überzeugt inhaltlich auf ganzer Linie. Hier kann den Autoren kein Vorwurf gemacht werden, im Gegenteil: Das Buch wird sicherlich seine Anhänger finden und vielleicht auch dem Standardwerk „Piper“ den ein oder anderen Stammkunden abjagen können. Ein gelungener Einstannd!

In ganz anderen Sphären allerdings bewegt sich das zweite hier vorzustellende Werk:

Der Fezer ist da. Die 2. Auflage des Großkommentars zum Wettbewerbsrecht wartet mit immerhin 4.700 Seiten auf, auf denen kaum eine wettbewerbsrechtliche Frage unbehandelt bleiben dürfte.

Wichtigste Neuerungen sind die Berücksichtigung der Umsetzung der EU-Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken im binnenmarktinternen Rechtsverkehr zwischen Unternehmen und Verbrauchern (2005/29/EG) eine umfangreiche Kommentierung zur Schwarzen Liste sowie die Kommentierung des Telefonwerbegesetzes.

Eine „Nische“ des Fezer dürfte die umfangreiche Beschäftigung mit Spezialthemen des Wettbewerbsrechts sein. Von Rechtsanwalts- oder Kosmetikwerbung über Umweltzeichen,  bis hin zu Informationspflichten im Internet, Vertriebsbindungsrechts und vielem mehr kommentiert der Fezer ausführlich und nimmt Stellung zu allen wichtigen Themen.

Der Blick bleibt dabei nicht auf das deutsche Recht beschränkt. wie auch schon bei Piper/Ohly, gibt auch der Fezer eine konsequente Antwort auf die zunehmende Europäisierung des Wettbewerbsrechts, indem er auch den Blick über den deutschen Tellerrand wirft und die europäische Perspektive aufzeigt. Gut so – mehr davon!

Der Fezer wendet sich natürlich an Richter und Rechtsanwälte sowie Unternehmen, aber auch Verbraucherschutzverbände, Handelskammern und Wirtschaftsverbände dürften im Fezer ein kompetentes Nachschlagewerk finden. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass gerade viele Firmen sich auch mit den kleineren Piper/Ohly/Sosnitza oder eben dem Götting/Nordemann wohlfühlen dürften.

Horst-Peter Götting, Axel Nordemann (Hrsg.), UWG-Handkommentar, Nomos Verlag, 1. Auflage 2010, 1456 Seiten, ISBN: 978-3832944650

Karl-Heinz Fezer (Hrsg.), Lauterkeitsrecht, Verlag C.H. Beck, 2. Auflage, 2010, 3500 Seiten, ISBN 978-3-406-57895-3, 1. Band: Lauterkeitsrecht §§ 1-4, 2. Band Lauterkeitsrecht §§ 5-20

 
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