IP|Gesprächsnotiz: Dr. Jens Bove über die Freigabe von 250.000 Bildern an Wikimedia

Wir haben mit Dr. Jens Bove, dem Leiter der Deutschen Fotothek der SLUB über die Freigabe von 250.000 Bildern aus dem Archiv der Deutschen Fotothek der SLUB gesprochen.

Herr Dr. Bove, was war der Anlass zu der Kooperation mit Wikimedia?

Wir haben die Kooperation zwischen Wikimedia und dem Bundesarchiv mit Spannung verfolgt. Uns war schnell klar, dass wir uns ein solches Modell auch vorstellen könnten. Wir waren uns daher mit Wikimedia letztlich auch schnell einig.

Haben Sie das Kooperiationsmodell des Bundesarchiv eins zu eins übernommen?

Im Großen und Ganzen, ja. Allerdings haben wir die Möglichkeit, Metadaten, die von Wikimedia-Nutzern eingepflegt werden, in unsere Datenbank zu überführen. Das Gleiche ist auch mit einer Georeferenzierung geplant. Wir hoffen, auf diese Weise von den vielen Wikimedia-Nutzern auch profitieren zu können.

Stellen die 250.000 Bilder das gesamte Archiv dar? Ist noch eine vertiefte Kooperation geplant?

In unserem Archiv befinden sich ca. 3 Millionen Bilder. Ungefähr 900.000 davon sind digitalisiert. Allerdings können nicht alle dieser Bilder freigegeben werden.Dem stehen Urheberrechte oder auch das Recht am eigenen Bild entgegen. Eine Einzelfallprüfung ist für uns vom Zeitaufwand her nicht darstellbar. Daher haben wir solche Bilder freigegeben, die Anhand einer Bestandsgruppenprüfung für geeignet erachtet wurden. Inwieweit wir noch mehr Bilder freigeben können, ohne in eine Einzelbildprüfung zu geraten, ist noch nicht ganz absehbar.

Gab es in Ihrem Institut keine Befürchtungen, sich durch die Freigabe eigenen Kapitals zu berauben?

Das war im Grunde eine kurze Diskussion. Die Bilder werden in einer relativ niedrigen Auflösung zur Verfügung gestellt. Der Verkauf dieser Formate, für die wir nur relativ wenig Geld bei relativ hohem Aufwand bekommen, ist kaum gewinnbringend. Um Gegenteil: Das Beispiel des Bundesarchivs zeigt, dass die Präsenz online eine höhere Nachfrage nach den kostenpflichtigen Varianten der Bilder nach sich zieht. Das ist allerdings nicht unser Primärziel gewesen. Die öffentliche Verbreitung unseres Materials sehen wir einfach als eine unserer Hauptaufgaben an.

In welchem politischen Kontext bewegen Sie sich mit der Freigabe dieser Bilder?

Wir finden uns mitten in der Diskussion um Open Access. Ursprünglich ging es für Bibltiotheken hier vor allem um den Bezug von Zeitschriften. Die enormen Preise der Zeitschriften sind für viele Bibliotheken nicht mehr bezahlbar. Es ging daher darum, Autoren dazu zu bewegen, in frei zugänglichen Medien zu veröffentlichen, also etwa im Internet. Im Zuge der Berliner Erklärung 2003 ist der Open Access-Gedanke auch auf kulturelle Überlieferungen ausgedehnt worden, also zum Beispiel Bildarchive. Allerdings haben noch immer viele Archive die Sorge, dass ihnen durch die öffentliche Zugänglichmachung Verdienstmöglichkeiten abgeschnitten werden. Hier wollen wir ein Signal setzen. Es ist nicht einzusehen, dass zum Beispiel der Student, der ein Foto der Mona Lisa in seine Arbeit integrieren möchte, dafür zahlen soll.

Herr Dr. Bove, vielen Dank für das Gespräch.

(cen)

 
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