IP|Rezension: Karl-Nikolaus Pfeifer/Tanja Dörre, Übungen im Medienrecht

Wir freuen uns, die wohl aktuellste Fallsammlung zum Medienrecht für eine Rezension vorliegen zu haben. Das Buch „Übungen im Medienrecht“ aus der „JURA“-Reihe von de Gruyter verteilt 12 Fälle auf insgesamt 213 Seiten im angenehm handlichen A5-Format. Auch der Rest des Buches ist optisch und haptisch recht gelungen. Der Einband ist stark genug, um einige Bahnfahrten ohne größere Schäden zu überleben und auch die Klebung scheint hochwertig. Das Layout ist sehr unaufgeregt gestaltet und erinnert an die Universitätsarbeiten wie Hausarbeiten oder die Falllösung der AG.

Und das ist wohl auch der Hintergrund des Buches. Es wurde am Kölner Lehrstuhl für Medienrecht und Kommunikationsrecht „entwickelt“, und die Annahme liegt nahe, dass es sich hier um die Zweitverwertung von AG-Fällen handelt. Das ist keineswegs tadelnd gemeint. Im Gegenteil sind uns in der Lehrpraxis erprobte Fälle deutlich lieber als solche, die nur (wenn überhaupt) dem Blick des Lektors standzuhalten hatten.

Die Fälle sind grob in zwei Teile zu gliedern: zum einen finden sich sechs Fälle zum Themenkomplex Presserecht/APR und weitere sechs zum öffentlichen Medienrecht und Internetrecht. Diese Aufteilung ist letztlich der Problematik des gesamten Faches „Medienrecht“ geschuldet, das ja letztlich ein Hybrid-Modell darstellt. Es ließe sich freilich darüber streiten, ob diese Lösung angemessen ist, oder ob die Aufteilung in zwei Büchern sinnvoller gewesen wäre, diese Entscheidung müssen wir aber dem Geschmack des Lesers überlassen. Das Buch dürfte sich jedenfalls in erster Linie an den Studenten des namensgleichen Schwerpunktfachs richten: für einen rein presserechtlich interessierten Studenten etwa wäre die Fallsammlung sicherlich nicht ideal.

Die Fälle sind tatsächlich alle hochaktuell, das ist wohl der Segen der ersten Ausgabe und eines der herausragenden Merkmale dieses Buches. Titel der Fälle sind etwa: „Beleidigung in einer Fernsehshow“, „Verfilmung einer tatsächlich begangenen Straftat“, „Negative Bewertung im Rahmen einer Internet-Auktion“. Dem medienrechtlich Interessierten dürften sich hier bereits die Fälle ins Gedächtnis rufen. Dies ist natürlich andererseits ein Manko des Buches (wenn man so will). Es konzentriert sich auf die wichtigsten Fälle, die auch ausführlich besprochen werden, was eine gute Grundbildung im Bereich Medienrecht, allerdings keinen Blick über den Tellerrand ermöglicht. Und auch dem öffentlichen Medienrecht wird kaum Raum eingeräumt. Für den fortgeschrittenen Studenten findet sich also wenig Neues. Wobei auch zu überlegen wäre, wie viele Studenten sich überhaupt die Zeit nehmen, tiefer in den Fachbereich vorzudringen.

Die Fälle sind sämtlich ausführlich und sorgfältig gearbeitet. Sie bauen aufeinander auf und wiederholen die wichtigsten Regeln und Erwägungen en detail – wie man es eben aus der AG gewöhnt ist. Auch dies ist Geschmackssache: Das Buch nimmt streckenweise fast lehrbuchhaften Charakter an, indem es auch auf Grundlagen noch einmal ausführlich eingeht. Dies verfehlt unserer Ansicht nach ein wenig das Ziel des Fallbuches, aber die Geschmäcker und Bedürfnisse sind sicher verschieden.

Insgesamt ist das Buch besonders für Einsteiger in den Bereich empfehlenswert, und das dürfte auch die Intention des Verlages gewesen sein. Grade Studenten, die nicht planen, viel Zeit in begleitende Lehrbücher zu stecken, dürften mit dem Buch sehr gut bedient sein. Mit verhältnismäßig wenig Aufwand für den Leser wird doch recht viel Wissen anhand der Fälle vermittelt. Fortgeschrittene können das Buch gut als Wiederholungslektüre nutzen, werden allerdings nicht allzu viel Neues erfahren.

(cen)

Karl-Nikolaus Pfeifer/Tanja Dörre, Übungen im Medienrecht, € 24,95, 1. Auflage 2008, de Gruyter Verlags-GmbH Berlin, 213 Seiten, ISBN 978-3-89949447-1

 
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