IP|Rezension: Lindberg, Van, Intellectual Property and Open Source

9780596517960_catDas Buch Intellectual Property and Open Source von Van Lindberg trägt den Untertitel A Practical Guide to Protecting Code. Und tatsächlich, das Buch ist ein wirklicher Praxisratgeber. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass Lindberg sein Werk im O´Reilly-Verlag veröffentlicht hat, der primär durch Werke zu IT und Progammiersprachen in Erscheinung getreten ist.

Der Autor hat das Buch wunderbar leserfreundlich gegliedert. Ein einführender Teil beschäftigt sich mit den rechtlichen Grundlagen, die ein Informatiker oder Ingenieur kennen sollte, bevor er sich mit vertraglichen Fragen des Geistigen Eigentums auseinandersetzt. Im Einzelnen geht er auf wirtschaftliche Fragen, Patentrecht, Urheberrecht, Markenrecht sowie Vertragsrecht ein. Der zweite Teil beginnt – nomen est omen – mit den Worten „So I have an idea…“. Hier beschäftigt sich Lindberg mit den Fragen, was bei der Lizenzierung beachtet werden sollte. Die Namen der Kapitel, wie etwa „Accepting Patches and Contributions,“ oder „Reverse Engeneering“ zeigen bereits deutlich, dass er tatsächlich auf viele Praxisaspekte eingeht, die einem Lizenznehmer klar sein sollten, wenn er sich in das Feld der offenen Lizenzierung begibt.

Insgesamt ist dies also ein lobenswertes Werk, das einen guten Überblick gibt und zugleich die Sprache des Lesers (gemeint ist der juristische Laie, der Wissenschaftler) spricht. Mit vielen Beispielen aus der Software-Praxis verdeutlicht Lindberg seine Ausführungen, um den Lesern das Verständnis zu erleichtern. Freilich stellt sich die Frage für den deutschen Leser, inwieweit das Buch für ihn brauchbar sei, schließlich ist es nicht für den deutschen Markt geschrieben worden. Und in der Tat: hier müssen Einschränkungen gemacht werden. Das Buch beschäftigt sich ausschließlich mit dem U.S.-amerikanischen Recht. Für einen europäischen, einen deutschen Leser des angesprochenen Publikums eignet es sich daher leider nicht, vielmehr wäre es problematisch, nähme ein solcher das Buch auch hierzulande als Leitfaden.

Dennoch dürfte der Guide auch für eine bestimmte deutsche Leserschaft interessant sein. Dies gilt weniger für den Amateur, als vielmehr für den Anwalt oder Justitiar, der sich mit Fragen des Open- Source-Rechts in internationaler Umgebung befassen muss. Der U.S.amerikanische Rechtsraum ist hier natürlich ein wesentliches Wirtschaftsfeld. Zum einen, da die U.S.A. noch immer zu den führenden Innovatoren der Software-Branche gehören. Wer also das Geistige Eigentum seines Unternehmens frei verfügbar macht, sollte auch Chancen und Risiken in diesem Rechtsraum ausgelotet haben. Zum anderen ist das Verständnis des U.S.amerikanischen Open-Source-Lizenzrecht auch wesentlich für das Verständnis der einschlägigen Lizenzen. Denn Mozilla, GNU, Apache, BSD, alle diese Lizenzen und viele mehr sind in den U.S.A. erdacht und für diesen Markt optimiert worden. Es ist daher in jedem Fall eine gute Idee, sich mit den Fragen zu beschäftigen, warum jene Lizenzen in ihrem entsprechenden Wortlaut verfasst worden sind.

Hierfür eignet sich Intellectual Property and Open Source recht gut. Als Einführung in den nordamerikanischen Rechtsraum ist der erste Teil geeignet. Vieles ist zwar auch dem deutschen Juristen klar und lässt sich überlesen und letztlich bleibt die Tiefe des Buches hinter dem zurück, was ein wirkliches Verständnis erfordern würde. Der zweite Teil des Buches ist fachlich interessanter, hier werden auch für den erfahreneren Juristen verschiedene interessante und insbesondere praxisrelevante Themen aus dem Bereich Open Source angeschnitten. Das Buch lässt sich schnell und unkompliziert lesen, was es als einführende Lektüre empfehlenswert erscheinen lässt. Die grundsätzlichen Konzepte und große Linien des U.S. amerikanischen Open-Source-Rechts sind nach der Lektüre klar, der interessierte Jurist sollte sein Wissen in anderen Büchern dann gezielt vertiefen.

Das Buch kann über diesen Partnerlink direkt bei Amazon.de bestellt werden

(cen)

 
Post2PDF

Kommentar abgeben: