IP|Rezension: Till Kreutzer, Das Modell des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen

9783832939984Der Autor Till Kreutzer dürfte vielen im Netz durch das von ihm betriebene Portal www.irights.info bekannt seint. Durch dieses Portal und vielfältige andere Tätigkeiten hat er sich  als kritischer Kenner des Urheberrechts einen Namen gemacht, so dass er mittlerweile auch von der sueddeutschen online als Interview-Partner gesucht ist, wie wir letztens feststellen durften.

Mit seinem Buch „Das Modell des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen“, das zugleich seine Dissertation darstellt (Betreut von keinem Geringeren als Prof. Hoffman-Riem), legt der Autor nun ein Werk vor, welches das Urheberrecht einer grundsätzlichen Infragestellung unterzieht.

Die Frage, die Kreutzer – vollkommen berechtigt – stellt, ist jene, ob das Urheberrecht noch zeitgemäß ist. Letztlich im Beginn des letzten Jahrhunderts verwurzelt (Stichwort droit d´auteur, Stichwort romantische Vorstellung des Künstlers als Erschaffer eigener Welten), hat es auf die Herausforderungen der heutigen Zeit, den Aufstieg einer neuen, kreativen Industrie, das Informations- und IT-Zeitalter, nur durch Flickwerk wie etwa den systemfremd ausgestalteten Schutz von Computerprogrammen oder Datenbank“werken“ reagiert, welches auch immer häufiger durch EU-Harmonisierungsbemühungen begründet war.

Vollkommen richtig stellt Kreutzer auch heraus, dass eine generelle weltweite Harmonisierung der Urheberrechtssysteme wünschenswert wäre, dass die aktuelle Methode, schlicht bestimmte Bereiche zu harmonisieren, allerdings zu „dysfunktionalen Effekten“ führt.

Kreutzers Antwort auf dieses Problem, das er auch ausführlich nachweist, ist interessant: Er plädiert für die Schaffung eines neuen urheberrechtlichen Systems, eines „funktionsorientierten Dualismus“. Systematisch sollen dabei Urheberschutz und Werkschutz getrennt werden. Während der Urheberschutz eher persönlichkeitsrechtlich zu verstehen wäre, würde der Werkschutz allein das Werk schützen. Während der persönlichkeitsrechtlicher Schutz des Urhebers die umfangreichen Schutzrechte von heute reflektiert, würde der Werkschutz je nach Art des Werkes im Umfang gestaffelt sein könnte. Diese Eigenständigkeit von Werk- und persönlichkeitsrechtlichem Schutz würde die Verwerfungen des aktuellen UrhG in Maßen korrigieren und für einen kaufmännisch besser handhabbaren, aber auch weniger ausufernden Schutz der Werke sorgen.

Wer Kreutzers übrige akademische Veröffentlichungen kennt, wird hier einige Gedanken wiederfinden, die bereits in  früheren Aufsätzen zur Sprache kommen, etwa das Unbehagen, das er angesichts der zunehmenden Ausweitung des Urheberrechts, auch durch entsprechende vertragliche Regelungen, spürt.

Insgesamt ist diese systematische Kritik nicht nur aufgrund ihres Willens interessant, grundlegende Fragen zu stellen, – und auch eine tatsächliche Antwort zu skizzieren, was dem ein oder anderen öffentlichen Kritiker des Urheberrechts nicht unbedingt gelingt – sie ist auch ansonsten sehr lesenswert. Uns hat zum Beispiel besonders der Ausflug in das englische „copyright“-System interessiert, der nur einen von vielen Nebenschauplätzen in diesem Buch darstellt.

(cen)

Till Kreutzer, Das Modell des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen, Nomos Verlag, EUR 98,00, 528 Seiten, 1. Auflage 2008, ISBN 978-3832939984.

 
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2 Kommentare zu “IP|Rezension: Till Kreutzer, Das Modell des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen”

  1. Es wird Zeit: Zukunft des Urheberrechts
    2. Februar 2009 19:38
    1

    […] Das “Kreutzersche Modell” ist, der schwierigen rechtlichen Materie geschuldet, für viele Laien auf den ersten Blick nicht einfach zu verstehen. Um so besser, dass Kreutzer in einem ausführlichen Interview auf dem informationsrechtlichen Portal Telemedicus.info zu den entscheidenden Fragen seiner Arbeit ausführlich Stellung nimmt und diese erklärt. Weitere Artikel und Besprechungen finden sich auf den Websites von gulli.com und IP-Notiz. […]

  2. IP|Notiz - IP|Webnotizen: Videonutzung im Internet
    25. November 2009 13:53
    2

    […] sind in der Regel nicht das digitale Papier wert, auf dem sie geschrieben sind. Dr. Till Kreutzer, der ja letztens ein lesenswertes Buch veröffentlicht hat, und John Hendrick Weitzmann von Creative Commons haben sich die Mühe gemacht, dieser und anderen […]

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