IP|Rezension: Volker Boehme-Neßler, Die Öffentlichkeit als Richter?

Volker Böhme-Neßler hat mit dem 184-seitigen Buch, im Nomos-Verlag erschienen, eine gute Tat vollbracht: Er hat die Debatte um den wattigen Litigation-PR-Begriff endlich ein wenig voran gebracht. Als Herausgeber hat er in „Die Öffentlichkeit als Richter“ quasi alles versammelt, was derzeit Rang und Namen hat. Die unvermeidliche Gisela Friedrichsen berichtet über ihre Erfahrungen, Jan Mönikes und natürlich Uwe Wolff, aber auch etwa Rudolf Gerhardt sind mit dabei. Damit gibt das Buch eine gute Übersicht über die verschiedenen Debattenstränge, Richter, Anwälte, Journalisten und PR-Berater kommen zu Wort.

Dabei ist die Qualität der Aufsätze natürlich etwas gemischt. Manche mögen eine gute Einführung in den Sachstand geben – was üblicherweise der Käufer eines solchen Buches nicht mehr nötig hat (so etwa der – immerhin sehr gut geschriebene – Artikel von Jahn). Deutlich interessanter sind die Beobachtungen der Protagonisten des Litigation-PR-Geschehens: Hier sind mit dem Artikel von Brigitte Koppenhöfer, „Als Richterin im Zentrum des Mediensturms. Justiz und Medien, dargestellt am Beispiel des sog. Mannesmann-Verfahrens“ und insbesondere dem Artikel von Mönikes und Wettberg zum Fall Tauss gute Beiträge enthalten. Insbesondere der Tauss-Artikel sticht heraus als Beitrag, der deutlich über dieses Buch hinausweist und eigentlich ein größeres Forum verdient hätte. Daher verlinken wir an dieser Stelle noch einmal zur Website von Jan Mönikes, wo er frei erhältlich ist.

Teilweise bleiben die Wortmeldungen leider bei den üblichen Einwänden und Erwägungen zu dem Thema stecken. Das gilt insbesondere für die Debatte, wieviel Litigation-PR „gut“ im Dienste der Gerechtigkeit sei. Hierzu wurde bereits viel gesagt, ohne dass sonderlich überraschende Ergebnisse herausgekommen wären. Umso interessanter, dass hier auch ein Aufsatz vorgestellt wurde, der mit Zahlenmaterial zu dem Thema aufwarten konnte: „Die Öffentlichkeit als Richter? Empirische Erkenntnisse zu einer brisanten Frage“ von Hans Mathias Kepplinger – es scheint auf jeden Fall sinnvoll zu sein, die Untersuchungen zu diesem neuen Betätigungsfeld auch auf andere Disziplinen als ausgerechnet Jura und Journalismus zu verlagern. Schließlich sind diese Gruppen nur dazu prädestiniert, zu den juristischen, kommunikationswissenschaftlichen und vielleicht  moralischen Fragen Stellung zu nehmen. Um eine Berufsnische seriös zu erkunden, sind Juristen und Journalisten vielleicht nicht immer die geeignetesten Professionen. Umso mehr vermisst der Leser Beiträge etwa aus den Wirtschaftswissenschaften zu dem Thema.

(cen)

Volker Boehme-Neßler, Die Öffentlichkeit als Richter?, 184 Seiten, Nomos Verlag, 1. Auflage, 2010, ISBN: 978-3832952761, EUR 52,00.

 
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