IP|Rezension: Wolf Lotter (Hrsg.), Die kreative Revolution

41qtvrne-wl_sl500_aa240_„Was kommt nach dem Industriekapitalismus?“, so lautet der Untertitel des Buches von Wolf Lotter, einem Autoren, dem man zu dem Thema Creative Economy viel zutraut. Das Buch wurde im umtriebigen Murmann-Verlag veröffentlicht, der schon mit einigen spannenden Titeln glänzen konnte, etwa dem letzten Buch von Miriam Meckel. So waren wir auch gespannt auf dieses Werk, in dem Lotter Autoren wie Dieter Gorny oder Matthias Horx versammelt hat, um über den Weg in die neue Wissensgesellschaft zu schreiben – jeder dieser Aufsätze stets versehen mit einigen einleitenden Worten Lotters.

Ein stimmiges Konzept und das Buch ist auch ganz ausgesprochen schön geworden. Das betrifft primär leider nur den hübschen Einband. Der Inhalt hingegen hat uns leider etwas enttäuscht. Über das Konzept Creative Economy wird in diesem Buch viel gesprochen, alle Autoren sind sich darüber einig, dass der Wandel von Industriegesellschaft zu Wissensgesellschaft bzw. Kulturgesellschaft in vollem Gange ist. Über diese leicht binsenweisheitartige Feststellung hinaus konnte uns das Buch allerdings nicht allzuviel Neues vermitteln. Phrasen wie

„Die Kreativwirtschaft verändert die Art und Weise, wie wir wirtschaften, unsere Entscheidungen für und gegen Investitionen treffen und auch wie wir leben und arbeiten werden“

sind leider Legion. An spannenden Konzepten für die Zukunft hingegen ist das Buch leider arm. Die Autoren scheinen selbst erstaunlich wenig „kreativ“ zu sein und beschränken sich auf die Beobachtung von Phänomenen der Jetztzeit sowie wolkige Prognosen wie die o.g., die niemanden wirklich weiterführen. Besonders unangenehm ist der Aufsatz des „Zukunftsforschers“ Horx, der klassenkampftheoretische Methaphorik aufgreift und damit einen unterhaltsamen, aber völlig inhaltsarmen Aufsatz verfasst. Insgesamt hat uns das Buch daher enttäuscht. Die These mag grundsätzlich stimmen (oft genug wiederholt wird sie). Auf 177 Seiten hätte man aber doch etwas mehr an verwertbaren Aussagen erwarten dürfen.

Besonders interessiert haben uns natürlich die Einlassungen Dieter Gornys. In großen Teilen seines Beitrags wiederholt dieser seine Forderungen nach umfangreicherem und effektiverem Schutz geistigen Eigentums (lies: Urheberrecht). Insoweit blieb der Aufsatz im Rahmen des Erwartbaren. Mit Interesse haben wir hingegen folgende Überlegung Gornys gelesen:

„Was passiert, wenn Kulturpolitik anfängt, Wirtschaftspolitik zu betreiben?“

In der Tat, eine interessante Frage. Wie verhält sich die Öffentlichkeit in diesem Fall? Der Lobbyismus der Musik- und sonstigen Kulturindustriellen Verbände stößt in der Öffentlichkeit tatsächlich häuft auf wenig Begeisterung. Der Ansatz hingegen ist durchaus gerechtfertigt. In einer Wissensgesellschaft, in der die Auswertung geistigen Eigentums einen guten Teil des Wohlstands Europas ausmachen wird, müssen die entsprechenden Player aktiver in der Wahrnehmung ihrer Interessen werden. Der weitere Aufenthalt im Elfenbeinturm – weltfremdes Wissenschaftler- bzw. Künstlertum – wäre gesellschaftlich und vor allem volkswirtschaftlich gefährlich. Welche Zielrichtungen die politische Einflussnahme dieser Interessengruppen verfolgt, das mag streitig bleiben. Dass sich diese Verbände allerdings mit zunehmender Kraft zu Wort melden und die politische Agenda mitgestalten wollen, das ist eine Entwicklung, an die wir uns gewöhnen müssen, die wir letztlich auch begrüßen sollten, auch auf die Gefahr hin, dass wir unsere Vorstellungen vom Kreativbetrieb, letztlich vom Zeitalter der Romantik geprägt, revidieren müssen.

(cen)

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Wolf Lotter (Hrsg.), Die kreative Revolution, 184 Seiten, Murmann Verlag, 1. Auflage, 2009, ISBN 978-3867740623, EUR 18,00.

 
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