IPTV – wo ist die schöne neue Welt?

Wer die Berichte der Technikkorrespondenten der Tageszeitungen und auch die Fachaufsätze zum Thema IPTV verfolgt (zuletzt etwa Hoeren in MMR 2008, 139) fragt sich manchmal: ja wo bleibt sie denn, die neue Entertainment-Revolution?

IPTV soll vieles können: Filme werden für uns automatisch aufgenommen, wir können per Rückkanal mit unserem Programmbetreiber kommunizieren, Video on Demand sehen und und und. Nur leider ist bisher nichts davon in Sicht. Wer etwa bei Alice Kunde ist, bekommt zwar mittlerweile zu seiner Flatrate ein IPTV-Angebot quasi geschenkt. Das Angebot ist allerdings mager. Ganz normales TV auf unserem Fernsehschirm nämlich. Sofern man seine Set Top Box installiert bekommt. Hinzu kommt ein Premiere-artiges Pay-TV-Angebot und ein VoD-Service, also eine Videothek im Haus. Keine sonderlich spektakulären Neuerungen also.

Im Pay-TV fehlt natürlich zunächst einmal das, was man wirklich sehen will: die Bundesliga. Dies gibt es allerdings bei Alice-Konkurrent T-Home zu sehen. Der stolze EUR 50 pro Monat für die Flatrate inkl. IPTV nimmt. Weiter mit der Videothek: Immerhin EUR 4,90 kostet da ein aktueller Film pro Tag. Zum Vergleich: in der Stamm-Videothek um die Ecke, hier in Berlin, kostet die DVD ein knappes Fünftel dessen. Mit Surround-Sound, vor allem aber auch mit Zusatzmaterial und Multilanguage-Option. Und auch der Katalog der Filme in der VoD-Videothek kann noch nicht mit einer richtigen Videothek konkurrieren.

Ansonsten gibt es eigentlich nicht viel über IPTV zu erzählen. Recoderfunktion Fehlanzeige bis mangelhaft, Rückkanalnutzung nicht vorhanden. Es ist ein ziemliches Trauerspiel, wenn man bedenkt, wie viel Geld die Firmen für ihre IPTV-Angebote verwenden. Dass daran nicht nur unvisionäre Macher, sondern z.B. auch unwillige Lizenzgeber schuld sind, hilft dem Konsumenten auch nicht weiter.

Einen Blick in die Zukunft erhascht man schon eher bei der ZDF Mediathek. Dort haben wir uns letztens zehn Wochen lang die Ermittlungen der dänischen Kommissarin Lund angesehen. Denn hier stand jede Folge, eigentlich durch das ZDF jeden Sonntag versendet, immerhin eine Woche im Netz, so dass man auch die versäumten Folgen sehen konnte. Ganz legal, ganz umsonst. Mit Blog und Forum Für Diskussionen. Und das alles trotz des engen Korsetts, in dem die öffentlich-rechtlichen durch das 12. RStäV im online-Bereich stecken. Schade eigentlich, dass die Gebührengelder, die der deutsche Verbraucher zahlt, nicht gewinnbringender investiert werden können, etwa durch den Aufbau einer Dauervideothek oder ähnliches. Natürlich steckt auch die Mediathek noch in den Kinderschuhen. Dennoch, Mediathek, Ulmen.tv – hier im Netz haben wir schon viel eher das Gefühl, das sich etwas bewegt, als dies bei dem „klassischen“ IPTV der Fall wäre. Mit wahrscheinlich deutlich geringeren Kosten. Auch hier zeigt sich eben, dass die Innovationskraft der Vielen im Netz letztlich größer ist als die der schwerfälligen Firmen, die das IPTV betreiben.

Sollte sich letzteres nicht ebenfalls bald innovativer zeigen, dürfte es eine Frage kurzer Zeit sein, bis es vom Web TV überholt werden wird. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch von internationalen Anbietern. Noch ist die nötige Bandbreite nicht vorhanden, um qualitativ hochwertiges Fernsehen ohne Leistungsschwankungen über das Internet zu senden. Dies dürfte allerdings nicht mehr allzu lange dauern. Bis dahin werden auch die Angebote des Web-TV weiter steigen, in Qualität, Quantität und Innovationskraft. T-home, Alice und ihre Mitbewerber werden sich anstrengen müssen.

(cen)

 
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Ein Kommentar zu “IPTV – wo ist die schöne neue Welt?”

  1. Matthias Probst
    7. Januar 2009 01:08
    1

    Die amerikanischen TV-Sender sind dem ZDF noch einen Schritt voraus. So haben z.B ABC und NBC alle ihre Serien online und zwar nicht nur die aktuelle Episode, sondern alle Episoden der aktuellen Staffel soweit sie schon im TV gesendet wurden. Die Qualität hat mich überrascht. Wenn die Internetverbindung schwächer wird, bricht die Übertragung nicht gleich ab, sondern verliert erstmal nur an Schärfe. Zwar unterbricht z.B. ABC seine Serien fünf bis sechs mal zu Werbezwecken, jedoch dauern diesen Unterbrechungen nicht länger als 30 Sekunden. Drei Minuten Werbung pro Stunde sind erträglich. Ich habe die komplette Boston Legal Staffel daher komplett online gesehen. In den Genuss dieses Angebots kommt man ohne Tricksereien allerdings nur innerhalb der USA.

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