Notizen von den Deutschen Gamestagen

Auch ich war neugierig auf die hier angekündigten Gamestage und habe die Konferenz gestern besucht. Das bcc war eine wunderbare location, das Publikum bunt gemischt von anzugtragenden Anwälten bis Turnschuh-Nachwuchsgamedesignern, die Atmosphäre sehr freundlich.

Die Veranstaltung zum Thema „Medienförderung“ war interessant und brachte einige Neuigkeiten und Erkenntnisse mit sich. Etwa, dass Bayern nun auch mit einer Computerspielförderung nachgezogen hat- immerhin mit einem Budget in Höhe von 900.000 Euro -, dass es sich die Bayerische Landesregierung, die sich nicht unbedingt durch Branchenfreundlichkeit ausgezeichnet hat, aber auch hier nicht nehmen ließ, einige Pferdefüße einzubauen. Die geförderten Spiele müssen etwa „kulturell wertvoll“ sein, was immer das auch heißen mag. Völlig zurecht wurde letztlich kritisiert, dass die gegenwärtige Situation – ein föderales Fördervolumen von vielleicht gerade einmal 2 Mio. Euro jährlich, verbunden mit den Erwartungen, die der Medienförderung so zueigen sind sowie der ungeheuer kontraproduktiven Jugendschutzdebatte nicht dazu angetan sein dürfte, einen Wachstumsmarkt, der immerhin noch zweistellige Prozentzahlen im Wachstum vorzeigen kann und hochgradig mobil ist, langfristig an Deutschland zu binden. Ganz zu schweigen davon, dass es möglich wäre, zu  Ländern wie die USA oder Kanada aufzuschließen. Im Gegenteil: Deutschland ist mittlerweile in diesem Sektor so abgeschlagen, dass noch nicht einmal die zur Verfügung stehenden Budgets (etwa seitens des MDM) abgerufen werden können. Immer klarer wird, dass eine der interessantesten IP-Branchen der Zukunft seit vielen Jahren schon zu stiefmütterlich behandelt wurde. Ob eine auf dem Podium diskutierte Bundesförderung jetzt die richtige Antwort auf diese Problematik ist, dürfte fraglich sein. Wichtig wäre vielmehr ein grundsätzliches Umdenken in der Politik, die sich ein müdes Lächeln noch immer nicht verkneifen kann, wenn es um den Bereich Computerspiele geht. Die seit Jahren exisitierende Jugendschutz-Debatte (auch in diesem Blog schon geführt)  ist natürlich auch nicht dazu angetan, der Branche ein besseres Standing in Deutschland zu ermöglichen.

Dass im Gegenteil mittlerweile das Games-Produzieren finanziell potente Produzenten und Publisher erfordert, machte die zweite, von Taylor Wessing betrittene Podiumsdiskussion deutlich: „International Roll-Out“ war das Thema. Die Runde befasste sich gut 90 Minuten mit Fragen wie Geoblocking, Publisher-Suche und Lokalisierungen, wobei ein Schwerpunkt auf den so genannten F2P-Spielen lag. Schade in diesem Zusammenhand, dass die Runde nicht weiter auf das Modell der internationalen Schiedsgerichtsverfahren eingegangen ist, was sicher hätte spannend werden können.

 
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