Was die Zahl der Patentanmeldungen uns sagen kann

Deutschland ist einer der führenden Patentanmelder weltweit. Dies lässt Rückschlüsse auf die Innovationsfreude des Landes zu.

Deutschland – Land der Ideen. Dieser Slogan war im letzten Jahr auf Plakaten und Websites in Deutschland präsent. Das beste daran: er ist wahr. Jedenfalls, wenn man ihn an der Zahl der Patentanmeldungen Deutschlands im internationalen Vergleich misst. Ein guter Maßstab, meint Helmut Schubert, Leiter der Patentabteilung der Fraunhofer Gesellschaft. „Die Anzahl der Patentanmeldungen ist eine der wenigen belastbaren Aussagen zur Innovationskraft einer Nation.“ Die World Intellectual Property Organisation (WIPO) sieht Deutschland in der aktuellen Statistik auf den vorderen Plätzen. Bei den totalen Zahlen der Patentanmeldungen steht Deutschland mit 7,4 % aller Patentanmeldungen weltweit auf dem vierten Platz. Aber Schubert warnt: „Das Thema Patente wird in China in den nächsten Jahren immer stärker in den Fokus rücken.“

Die treibende Kraft hinter den Patentanmeldungen sind die großen deutschen Technologieunternehmen. Firmen wie Bosch, Siemens und Daimler führen die Liste der Patentanmeldungen in Deutschland an. Die Branchen Automobil, Maschinenbau, elektronische Bauteile gehören dabei zu den stärksten Innovatoren Deutschlands, misst man dies an der Zahl der angemeldeten Patente. Aber auch in anderen High-Tech-Branchen wie Medizin oder Umweltschutz konnte die deutsche Industrie punkten. Meldeten japanische Unternehmen in Deutschland 2001 noch mehr als dreimal so viele Patente zum Thema Hybridauto an, wurde es 2007 von Deutschland erstmals in diesem Thema überholt. Axel Stellbrink von der Patentanwaltskanzlei Vossius & Partner hat beobachtet, „dass in den High-Tech-Branchen Unternehmen mittlerweile bis zu 10% des Forschungsbudgets in den Patentschutz investieren.“

Für die Patentanmelder geht es natürlich nicht nur darum, ihre Erfindungen vor Mitbewerbern im Inland zu schützen. Besonders der Schutz der Patente im Ausland ist ein Anliegen für die Unternehmen der großen Exportnation Deutschland. So hält die Firma Siemens weltweit etwa 51.000 Patente. „Besonders interessiert am internationalen Patentschutz sind aber auch die Mittelständler“, erklärt Axel Stellbrink. „Diese agieren oft in kleinen Nischen, sind dort aber als Weltmarktführer an internationalem Schutz interessiert.“ Eine besondere Rolle spielt dabei mittlerweile das Anmeldeverfahren vor dem Europäischen Patentamt. Durch dieses Verfahren kann ein Schutz auf Märkten von Island bis zur Türkei erreicht werden. Hier steht Deutschland sogar auf Rang zwei der Anmelder. Zum Vergleich: 25.100 Patentanmeldungen deutscher Firmen vor dem EPA stehen grade einmal 8217 Anmeldungen des Nachbarn Frankreich gegenüber. Ein Indiz dafür, wie präsent deutsche Unternehmen mit innovativen Produkten am europäischen Markt sind. Die Anmeldungen sind daher auch ein Indikator dafür, wie stark die exportgetriebene deutsche Wirtschaft von dem einheitlichen Markt der EU profitiert.

(cen)

Dieser Artikel erschien in einer Beilage der FAZ am 17. September 2008.


 
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2 Kommentare zu “Was die Zahl der Patentanmeldungen uns sagen kann”

  1. Patentanmeldungen: Warnung vor populistischen Aussagen | Artefakte der Zukunft | siebeneinhalb.de
    30. September 2008 21:16
    1

    […] ip-notiz.de zitierte heute eine Beilage der FAZ vom 17. September 2008. Unter dem Titel: “Was die Zahl der Patentanmeldungen uns sagen kann: Deutschland ist einer der führenden Patentanmelder weltweit. Dies lässt Rückschlüsse auf die Innovationsfreude des Landes zu” ist unter anderem folgendes zu lesen: Ein guter Maßstab, meint Helmut Schubert, Leiter der Patentabteilung der Fraunhofer Gesellschaft. „Die Anzahl der Patentanmeldungen ist eine der wenigen belastbaren Aussagen zur Innovationskraft einer Nation.” […]

  2. IP|Notiz » Blog Archive » Software-Piraten verurteilt
    8. Januar 2009 09:58
    2

    […] Nach Berichten U.S.-amerikanischer Medien wurden elf chinesische “Piraten”, die gefälschte Versionen von Microsoft Produkten angeboten hatten, zu bis zu 6,5 Jahren Haft verurteilt. Die Piraten könnten einen Profit bis zu $ 2 Mrd. gemacht haben.  Die empfindliche Haftstrafe dürfte ein weiteres Indiz für den beständig verbesserten Schutz geistigen Eigentums in der VR China darstellen. […]

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