Wie SpOn die Plagiatsaffären handhabt

Zunächst einmal: Ich finde es ganz lobenswert, dass die großen Medien – und auch SpOn – sich intensiv mit dem Thema Dissertationsplagiate befassen. Endlich ist mal eine Debatte zum Thema Plagiat im Raum, die nicht von den Grabenkämpfen Digital Natives vs. Rechteinhaber beherrscht wird (klar: Das lag und liegt noch immer auch an den medienwirksamen Opfern der Plattform VroniPlag).

In letzter Zeit allerdings bin ich doch zunehmend verstimmt, wie dieses Thema von SpOn gehandhabt wird. Denn das Thema ist leider vom Politik-Ressort  zum „Uni-/Schulspiegel“ gewandert.

Zunächst stellt sich die Frage: Ist der Uni-Spiegel überhaupt Teil des Spiegels bzw. Spiegel Online? Oder eines der obskuren Nebenprojekte der Seite (s.a. „Eines Tages“)? Für die Beantwortung dieser Frage fehlt mir augenblicklich die Zeit, und es ist auch egal. Fakt ist: Die ganze Plagiatsdebatte, wie etwa der aktuelle Beitrag zu Sylvana Koch-Mehrin, die unlängst ankündigte, Klage zu erheben, ist bei SpOn offensichtlich im journalistischen Limbo gelandet. Natürlich lässt sich argumentieren, das Thema Dissertation sei doch in diesem Ressort gut aufgehoben. Freilich hat der Uni-Spiegel sonst selten etwas interessantes zu berichten, so dass man auf diese Weise vielleicht Aufmerksamkeit auf das Ressort zu lenken versucht.

Aber ganz ehrlich: Worum geht es denn eigentlich? Geht es wirklich um Zitatregeln, um die zehn besten Tipps, sich nicht beim Schummeln erwischen zu lassen, geht es um studentische Arbeitsleistung? Nein, es geht um die Glaubwürdigkeit bedeutender Politiker unseres Landes und um die Frage, wie wissenschaftliches Arbeiten in diesem Land funktioniert und wie es gewürdigt wird. Zuletzt stellt sich im Rahmen dieser Affäre natürlich immer dringender die Frage nach dem Filz, der zwischen Hochschulen und Politik existiert und ob dieser im Zusammenhang mit gewissen Doktortiteln steht oder nicht. Es geht natürlich auch um die Frage, was ein Plagiat eigentlich ist und was es für unsere Gesellschaft bedeutet. Es geht, kurz, um viele interessante Fragen, die sich in den Ressorts Politik, Feuilleton oder Wissenschaft korrekt aufgehoben wären. Das ganze Thema aber in den Uni-Spiegel zu verschieben gleicht dem Verhalten Dr. Merkels, die Guttenberg nicht „als wissenschaftlicher Mitarbeiter“ angestellt haben will. Genau dieses Abschieben der Diskussion in irgendeine vermeintlich obskure Hochschulwelt ist das, was keinesfalls passieren darf, wenn führende Politiker meinen, die Arbeit Anderer zu ihren Zwecken missbrauchen zu können. So nicht, lieber Spiegel Online. Nimm Dir lieber ein Beispiel an FAZ.net, dort wird das ganz richtig gemacht.

PS: Sueddeutsche.de macht es leider auch nicht viel besser, wenn sie Teile des Diskurses in ihren Karriere-Teil auslagert.


 

 
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